Am vergangenen Wochenende war ich Teil von etwas Großem, ich habe das BarCamp Munich besucht. :) Es war mein erstes BarCamp und dementsprechend gespannt war ich, was mich dort wohl erwartet.
Die anfängliche Nervosität (OK, ich will nicht übertreiben) verflog bereits am Freitag Abend recht schnell, als ich bei der Warm-up-Party mitbekam, dass verdammt viele n00bs dabei waren. Nachdem das klar war, ging’s entspannt in “The Social Network”. Die Karten gab’s für lau, aber der Film war so gut dass ich ihn mir sogar für Geld angeschaut hätte. Ziemlich pathetischer Kram, aber irgendwie lustig. Mein O-Ton-Fetischismus wurde zwar leider nicht befriedigt, aber die Übersetzung brachte noch ein paar Lacher in den Film. :) Hinterher ging es noch in einen Club, die ersten Kontakte wurden vertieft.
Der nächste Morgen begann mit einem gesponserten Frühstück, wobei der Gaul gute Zähne hatte. Überhaupt haben sich die Sponsoren elegant zurück gehalten, gerade deswegen erinnere ich mich an sie. :)
Los ging es mit einer Session über den Munich Government Day. Markus Dapp von der Stadt München stellte uns ein völlig überraschendes Konzept zur Beteiligung der Netizens an der Kommunalpolitik vor. Es ging im Grunde um nichts Geringeres als data.gov für die Stadt München, natürlich in entsprechender Dimensionen. Das Projekt startet am 1.11.2010 1.12.2010 mit einer Webseite, ich werde dann darüber bloggen.
Bei “Future Mobile – Das Internet schafft sich ab” ging es um die Frage, ob große Communities wie Facebook für Otto-Normal-Verbraucherin nicht das Internet bzw. Web obsolet machen und welche Implikationen dies z.B. für Themen wie Netzneutralität hat. Dabei lag der Fokus auf dem gerüchteweise erscheinenden Facebook-Phone. Allerdings driftete die Diskussion schnell Richtung Datenschutz ab und am Ende haben wir festgestellt, dass Facebook in beide Richtungen (B2C) einigermaßen transparent ist, Firmen wie EasyCash oder der Staat aber auf einseitige Informationsvorhaltung setzen. Sehr gefreut hat mich, dass ich mit Informationen zum kommunalen Adresshandel einige Leute wachrütteln konnte.
Nach dem Mittag setzte ich mich in den Getting-Things-Done-Vortrag von Oliver Gassner. Oliver begann mit den Basics, konzentrierte sich dabei aber auf den praktischen Teil. Das Buch von David Allen ist ja zeitweise etwas “spirituell” geschrieben, es ist dort deutlich mehr von Visionen und Sinn die Rede als im Vortrag. Leider war die Zeit so knapp, dass Diskussionen und Fragen zu diesem interessanten Thema gar nicht mehr möglich waren. Insbesondere einigen Alt-GTDlern einschließlich mir hätte ein Erfahrungsaustausch (sicher) gefallen.
Weiter ging es mit Manuel Schmuttes Session über die Probleme von Fotos und den Creative Commons Lizenzen. Manuel erklärte erst die verschiedenen Typen von CC-Lizenzen und ging dann auf Probleme ein, die sich damit ergeben haben. An einigen Stellen handelte es sich zwar eher um Probleme mit Bildern an sich, aber es war sehr interessant mal die Meinung eines Fotografen zu Bildern im Netz zu hören. Die zwei größten Probleme im Zusammenhang mit CC-Lizenzen sind meiner Meinung nach das Verwechseln vieler Leute von CC mit PD, also dem Ignorieren der Pflichten, die sich aus CC ergeben. Ein anderer wichtiger Punkt ist wohl das “Relizenzieren” urheberrechtlich geschützten Materials unter der CC. Werden solche Bilder dann verwendet, so macht sich der Nutzer strafbar. Das Gesetz wird also analog zu Hehlerware angewendet. Witzig war, wie bei eigentlich immer bei juristischen Themen und Laien, die verzweifelte Suche einiger Anwesender nach Grauzonen.
Nach so viel Input brauchte ich erstmal eine Pause und machte mit Heyfrau eine Teeparty. Dabei kam uns die Idee, dass wir doch spontan eine Achtsamkeitssitzung machen könnten, gesagt, getan, der nächste Slot gehörte Kabat-Zinn. :)
Der Rest des Tages war dann Party in der Niederlassung, auch dies für mich eine Premiere, aber der Laden gefällt mir. Nur die Büchertapete hat mich etwas traurig gemacht, das hatte was von Sushi im geschlossenen Laden.
Der Sonntag begann dann eigentlich viel zu früh, aber es war auch Binary Day und als Nerd musste ich natürlich mein Handtuch spazieren führen. Ich war total erstaunt, wie viele Leute mit Handtüchern aufgetaucht waren, ein Teilnehmer trug sogar einen dentschen Bademantel. So wünsche ich mir das. Heyfrau und ich hatte uns mehr oder weniger gut auf eine Session zum Thema Gewaltfreie Kommunikation vorbereitet, dazu später mehr.
Die erste Session des Tages war “5 x Startup aus der Finanzwelt”. Einer der Gründer des crowdgesourcten Investmentfonds INVESTTOR erläuterte kurz was Banking 2.0, sustainable banking, ist und warum es die Zukunft ist. :) Anschließend slidete er durch 5 Startups, die irgendwas mit Geldanlage zu tun hatten. Ich fand es sehr interessant Sachen wie Hollywood Stock Exchange kennen zu lernen. Am Ende stellte er noch seine eigene Firma vor. Das Konzept von INVESTTOR ist, dass die Anleger demokratisch bestimmen, welche Papiere der Fonds zeichnet. Besonders interessant fand ich, dass jeder Anleger unabhängig vom Anteil nur 1 Stimme hat (O-Ton: Warum soll jemand mit mehr Geld mehr wissen). Auf jeden Fall beobachtenswert.
Im Anschluss plauderte Marie etwas über Couponing. Neben den Konzepten dahinter nahm die Fragen nach Datenschutz einen großen Raum ein. Quintessenz: Wer Couponing gewinnbringend als Kunde verwendet, “schadet” dem Unternehmen, wer es nur nebenbei macht “schadet” eher sich selbst. Für die Unternehmen kann es ein Instrument zur Kundenbindung oder sogar zum Überleben sein.
Dann kam der große Moment. Heyfrau und ich erzählten den TeilnehmerInnen was wir beide über Gewaltfreie Kommunikation. Im Grunde geht es dabei darum die eigenen Bedürftnisse zu erkennen, für die dadurch entstandenen Gefühle Verantwortung zu übernehmen und klar und nicht wertend diese Bedürftnisse in Form von Bitten weiterzugeben. Ich werde bei Gelegenheit mal einen eigenen Post über das Thema machen, weil es den Rahmen sprengt. Ich verweise bis dahin auf den guten Wikipedia-Artikel zu Gewaltfreier Kommunikation.
Zum Ausklang gab es dann noch eine kurze Achtsamkeitssession, die wieder sehr gut ankam. Das Thema scheint den Leuten wirklich zu gefallen.
Tja, dann war das BarCamp leider auch schon wieder aus. Es hat mir total viel Spaß gemacht und ich konnte mal wieder richtig networken. Auch wenn ich meine Piraten sehr gern mag, war es doch mal wieder toll außerhalb der Bewegung neue Kontakte zu finden. Beim nächsten BarCamp bin ich auf jeden Fall wieder dabei, für dieses hier danke ich den TeilnehmerInnen, OrganisatorInnen und Sponsoren.
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