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Wir hatten ooch allet (Ostrock and beyond)
Categories: Pop

So, heute wird wieder ein wenig prokrastiniert. La Magisterarbeit befindet sich im letzten Drittel ihrer Erschaffung und der Widerwillen gegen das morgentliche An-den-Schreibtisch-Setzen ist mittlerweile kaum noch zu steigern. Also wird das Blog befüllt und heute dürfen es sentimentale Betrachtung zur DDR-Musike sein. Ich muß dazu sagen, dass ich selber zu jung bin, um mich an City-Konzerte in den 70ern o.ä. zu erinnern. Trotzdem ist es kaum möglich, im Osten großzuwerden ohne die Klassiker kennen und meist auch lieben zu lernen. Da in meiner Familie sich außer mir niemand intensiv für Musik interessiert (meine Besessenheit wird mit der Übertragung des Geistes diverser musisch begabter Vorfahren erklärt und misstrauisch beäugt), bin ich erst gegen Ende meiner Schullaufbahn so richtig mit dem Zeug in Kontakt gekommen. In meinem kleinen Provinzinternat war Ostmusik auf einmal wieder total angesagt (ebenso wie die Klamotten, aber das ist eine andere Geschichte). Anyway, hier eine kleine, völlig subjektive Auswahl der kennenswerten Sachen aus DDR und späteren Jahren.

Herbst in Peking – Bakschischrepublik

Man merkt am Text, dass hier schon nicht mehr viel war mit dem Sieg des Sozialismus. Beachtenswert und typisch für Ostmusik ist, dass die tatsächlich spielen können und auch nicht vor einem netten Arrangement zurückschrecken.

Feeling B – Artig

Feeling B waren echte Pioniere. Das Album, auf dem dieses Lied drauf ist, war als erste Punkplatte offiziell in der DDR zu erwerben. Drei der ehemaligen Mitglieder sind dann übrigens zu Rammstein gewechselt.

Die Skeptiker – Pierre und Luce

Eine Jugendliebe von mir waren die Skeptiker. Musikalisch betrachtet ist der Kram einfach laut und schnell. Die Texte sind allerdings durchaus beachtlich. Dieses Lied, das meines Erachtens aus den 90ern ist, handelt im Schnelldurchlauf den Inhalt eines Romans von Romain Rolland ab.

Ute Freudenberg – Jugendliebe

Apropos Jugendliebe. Dieses Lied kann man nicht nicht kennen, wenn man aus dem Osten kommt. Gerade weil es so kitschig ist, ist es ein immerwährender Partyklassiker bei dem sich selbst die hartgesottensten Zyniker ein Tränchen verdrücken. Die kennen den Text übrigens auch alle auswendig ;-)

City – Am Fenster

Zu diesem Lied, ein vertontes Gedicht übrigens, braucht es keine Worte. Enjoy!

Gerhard Gundermann – Linda

Nach meiner Meinung der allerbeste Liedermacher der DDR und ein beeindruckender Mensch! Leider hat der Sensenmann den singenden Baggerfahrer dann doch noch viel zu früh erwischt.

Karussell – Als ich fortging (Coverversion von Staubkind)

An diesem Lied scheiden sich zumeist die Geister. Manche finden’s unerträglich kitschig. Der Text ist wieder ein vertontes Gedicht ( von Gisela Steineckert).

Puhdys – Wenn ein Mensch lebt

Kein Post über DDR-Musik ohne die Puhdys. Der wahre Klassiker ist natürlich “Alt wie ein Baum” (noch so ein Mitgröhlding und nicht so ganz nach meinem Geschmack). Dieses Stück ist aus dem Kultfilm “Die Legende von Paul und Paula”. Den Film fand ich immer blöde (Sie wird schwanger, obwohl sie weiß, dass sie es nicht überlebt. Das ist nicht romantisch sondern bescheuert!). Besser “Spur der Steine” mit Manfred Krug anschauen, jawoll!

Freygang – Kartenhaus

Nun ja, der Text spricht für sich. Eigentlich eher eine Bluesband aber definitv mit Punkattitüde.

Inchtabokatables – You chained me up

Eine Band aus der Neuzeit, wie es in aktuellen DDR-Kochbüchern immer so schön heißt. Hab ich in den 90ern abgöttisch geliebt. Völlig gerechtfertigt, finde ich. Subway to Sally sind in dem Kontext noch zu nennen, allerdings kann ich deren Mittelalterkram heute nicht mehr wirklich ertragen.

Keimzeit – Kling Klang

Nach meinem aktuellen Informationsstand (Irrtum vorbehalten) haben Keimzeit zu DDR-Zeiten kein Album veröffentlichen dürfen, dafür aber bis jetzt umso mehr. Bei alternativ angehauchten Ostteenies und älterem Volk kommen sie nie aus der Mode. Konzerte von ihnen (gibt’s in ganz D) sind absolut empfehlenswert, auch wenn man die Band nicht kennt. Ich war bei einem Konzert im Münchner Backstage und selbst eine Gruppe kenntnisfreier Amerikaner waren hin und weg. Leider fehlt hier die komplette erste Strophe, mehr war aber nicht aufzutreiben.

Das Lied vom kleinen Trompeter

Kein Rock, sondern zum Abschluss ein wenig Propaganda. Wird gerne im betrunkenen Zustand noch gesungen und die eine oder andere Träne im Gedenken an den tapferen kleinen Trompeter vergossen.

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