Eskapismus ist eine in meinen Augen äußerst wertvolle Funktion von Literatur, und eine dringend notwendige zudem. Egal was Roy Black so knödelte, so schön ist es nun auch wieder nicht, auf der Welt zu sein. Manch einer versenkt sich gerne in einen Krimi, ein Kinderbuch (mach ich auch gerne) oder, God forbid, einen dieser gräusligen Vampirromane. Mir hat es in diesem Zusammenhang besonders die Alchemie als Motiv von Fantasyromanen im weitestens Sinn angetan und ich möchte die Gelegenheit nutzen, drei Romane vorzustellen, die mir in diesem Zusammenhang besonders gefallen.
1. W. Somerset Maugham – The Magician
Bereits 1908 erschienen, ist es das älteste Buch, das ich hier vorstellen möchte. Aufgrund seines Alters ist es leicht online zu finden, z.B. hier oder hier.
Margret hält sich mit ihrem soliden, eher leidenschaftslosen Verlobten Arthur, einem Arzt, während des Sommers in Paris auf. Dass sie ihren Verlobten eher aus Vernuft denn aus Liebe heiraten will, ist recht offensichtlich. Dann lernt sie den faszinierenden Oliver Haddo kennen, der sie gleichermaßen anzieht und abstößt (er wird u.a. als ziemlich häßlich beschrieben).Haddo gelingt es, Margret für sich zu gewinnen und in seine, nun ja, kranken Experimente einzubinden. Überraschenderweise wächst der blasse Arthur über sich hinaus und kämpft für seine Margret. Wird es ihm gelingen, sie zu retten? Wird hier nicht verraten, lest gefälligst selbst.
The Magician ist ein Roman aus dem Edwardianischen Zeitalter über das Edwardianische Zeitalter. Die Faszination mit dem Übernatürlichen und der Psyche ist typisch für diese Ära. Letztlich geht es hier auch weniger um eine Darstellung alchemistischer Praktiken als um eine psychologische Erforschung menschlicher Leidenschaften.
2. Antal Szerb – Die Pendragon-Legende
Die Besonderheit dieses Alchemieromans ist die entzückende Darstellung der intellektuellen Neugier eines jungen Forschers. Janos Batky, ein in England lebender Ungar, ist ein typischer Bücherwurm, der mit seinem Forscherdrang nur allzu leicht verführbar ist (womit wir wieder beim Motiv der Leidenschaft wären). Ein mysteriöser walisischer Adliger lädt ihn auf sein Schloss ein, um seine düstere Familiengeschichte zu erforschen und tritt damit eine ganze Reihe noch viel mysteriöserer Ereignisse los. Dies ist einer dieser Romane, in denen es immerzu Nacht zu sein scheint.
3. Gordon Dahlquist – Die Dunkelbücher der Traumfresser
Damit wären wir endgültig im Bereich der Unterhaltungsliteratur angekommen. Dieses Buch hab eine weibliche Hauptfigur, die den Titel “Heldin” wirklich verdient. Durch reine Neugier, in meinen Augen ein äußerst ehrenwerter Charakterzug, gerät sie in die düsteren Machenschaften eines alchemistischen Zirkels, der ganz reale politische Macht anstrebt. Es gibt merkwürdige Gerätschaften, Kostüme und sogar einen Zeppelin in dieser Geschichte. Ein spannendes Abenteuer vor detailreicher viktorianischer Kulisse also und damit sicher auch interessant für alle Steampunk-Enthusiasten.