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“Ökologismus” – Interview mit Michael Miersch
Categories: Politics | Written by nerdicist

Der Cicero-noch-Chefredakteur Wolfram Weimer interviewt Bio-Kritiker Michael Miersch. Hier kann man’s anschauen.

Miersch thematisiert ein Problem, welches mir ebenfalls sehr am Herzen liegt, nämlich die neue grüne Orthodoxie, die in meinen Augen ein Symptom einer zunehmend antiintellektuellen, wissenschaftsfeindlichen Gesellschaft ist. Man verstehe mich an dieser Stelle nicht falsch. Ich achte nach Möglichkeit auf Herkunft und ethische Produktion meiner Lebensmittel, nutze den ÖPNV uvm. Auch gehöre ich nicht zu den sogenannten Klimaskeptikern. Beim aktuellen Bio-Zeitgeist geht es jedoch längst nicht mehr um sinnvollen Schutz natürlicher Ressourcen und den Erhalt des Ökosystems.

In einer Fundamentalkritik der modernen, fortschrittsorientierten  Technologiegesellschaft konstruieren sich die Anhänger dieser Ersatzreligion eine kuschelige Gegenwelt mit klaren Feindbildern, die in sich schlüssig sein mag, aber nichts mit der Realität zutun hat. Das Spektrum des Irrationalen, das sich hier versammelt, reicht vom unreflektierten Bio-Konsumenten, der das diffuse Gefühl hat, mit seinen Konsumentscheidungen die Welt zu verändern, über den Elektrosensitiven bis zum Impfgegner, der hinter dem Gesundheitssystem eine großangelegte Verschwörung vermutet. Die Grenzen verlaufen fließend, allen gemein ist, dass sie Gefühl über Verstand und Glauben über Wissenschaft stellen.

2 Comments to ““Ökologismus” – Interview mit Michael Miersch”

  1. peter meier says:

    die beschriebenen symptome “grüner orthodoxie” gehören nur leider nicht zu dem, was wirklich “grün” ist.

    sie werden u.a. von miersch, hier auch mal von Ihnen, einfach mal subsummiert – nur weil sie im umfeld von “ökos” ebenfalls wahrnehmbar auftauchen. genauso gibt es impfgegner, aluhutträger und übervorsichtige bei konservativen, migranten, bild-lesern, nazis, bloggern, renault-fahrern, powerfrauen und geigern (sowie deren geschlechtsäquivalenten zugehörigen). dort sind es “spleens”, “schrulligkeit” und “voraussschauendes denken” oder eben “an der guten alten zeit hängen”. aber dewegen würde solche spinner niemand als ökos bezeichnen oder renault-fahrer mit impf-gegnern gleichstellen.

    miersch ist auch so ein typ – nur von der anderen medaillenseite. der ruft “wissenschaft!!!!” und zieht da gerne jede krude einzelmeinung von langzeitverstrahlten profs aus hinterkaffhausen mit themenverwandten hobbys hervor, um deren “langjährig verkannte expertise” als “mutige meinung” zu adeln.
    miersch ist auch nur aluhutträger – seine folie ist eben gewollt vorab bestrahlt worden – weil das “mutig” ist und “dem blöden mainstream” der wissenschaftsmeinungen, die ja angeblich von irgendeiner diffusen lobby regiert wird, entgegensteht.

    ich argumentiere hier grade nicht wirklich mit fakten. stimmt. ich mache den miersch. ätsch.
    hauptsache es klingt nach “dem volk aufs maul geschaut” und liest sich gut weg. das ist eben auch sein credo.

    ich bringe aber gerne einen fakt, der miersch’s denkweise gut enttarnt: er ist “klima-skeptiker”. weil ja angeblich die theorie der menschengemachten klimaerwärmung von einer “davon profitierenden wissenschaft” verbreitet würde. er sagt, klimawandel müsse im wissenscaftlichen diskurs einfach “passieren”, damit die wissenschaftler ihren job behalten und die “große” “klimaindustrie” (solar, wind, biomasse) weiter wächst.

    ach ja?

    die weltweit reichsten unternehmen und länder verdienen ihr geld unter anderem und dann vor allem mit atom, kohle, öl und gas (und nicht mit wind/wasserkraft/sonne/biomasse/wärmedämmung). und ihre besitzer (aktionäre/despoten/whatever) wollen heute und morgen geld bekommen. sie wollen also heute und morgen verkaufen. sie wollen heute aufsichtsratsposten, shareholder-value, waffen, ru(h)m, ehre. die haben kein interesse an den “mainstream-theorien”.

    diese energizer ;-) stiften aber professuren, stiften stiftungen und bezahlen verbände für studien, die dann eben genau _nie_ dem wissenschaftlichen mainstream im ergebnis folgen sollen/dürfen, wenn sie weiter existieren wollen.
    nach kohle/öl/gas/atom kommen einige rattenschwanz-industrien: fahrzeuge, flugzeuge, metalle, “harte” infrastruktur (straßen, anlagenbau, bergbau) – die auch am bestand der ersten ein interesse haben. trotzdem(!) gibt es immer noch genug wissenschaftler, deren forschungen ja von öffentlichen und privaten geldern abhängen und damit indirekt wieder von lobby-spenden (und -einfluss) und steuern und direktzahlungen, die genau diese nicht-miersch-meinung haben. komisch?

    für miersch ganz einfach: es gibt ja noch co2-cert-handel. das neue böse. diese co2-zertifikate seien eine gigantische verschwörung der ökos, um die welt auf wirtschaftlicher ebene gefügig zu machen.
    ach ja?
    geld haben -siehe oben- vor allem die alten schmutzindustriellen. und banken, die das ganze in genau diesem schmutzindustriekreislauf verdient haben und re-investieren.

    was tun, wenn doch so ein bissel anti-klimawandel-politik ins unternehmen soll/muss? dann soll das geld im kreislauf bleiben! klar.
    perfekt geeignet: sinnlose und vor allem monetarisierbare zertifikate, die bestenfalls neue märkte bringen, aber keine aktive veränderung im unternehmen brauchen. wer frisches geld bekommt, auf kosten von wem auch immer, kann die mehrkosten der zertifikate decken, ohne wirklich was zu ändern.
    perfekt, um zu verschleiern, perfekt, um aktivität gegen klimawandel vorzutäuschen, perfekt, um von der eigenen verantwortung abzulenken und die leute einen schuldigen suchen zu lassen.
    profitieren vom co2-cert-handel tun nur die, die schon viel geld haben – die multis, die banken. die, denen miersch das wort redet.
    miersch ist verschwörungstheoretiker, der nebelkerzen wirft. niemand, der ernsthaft etwas anprangert, was nicht auch ein intelligenter, kritisch denkender “echter öko” selbst erkennen könnte.

  2. peter meier says:

    oh, war ich zu böse?

    wär ja auch schlimm, polemiken mit passenden kommentaren versehen, stehen zu lassen…

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