Der Cicero-noch-Chefredakteur Wolfram Weimer interviewt Bio-Kritiker Michael Miersch. Hier kann man’s anschauen.
Miersch thematisiert ein Problem, welches mir ebenfalls sehr am Herzen liegt, nämlich die neue grüne Orthodoxie, die in meinen Augen ein Symptom einer zunehmend antiintellektuellen, wissenschaftsfeindlichen Gesellschaft ist. Man verstehe mich an dieser Stelle nicht falsch. Ich achte nach Möglichkeit auf Herkunft und ethische Produktion meiner Lebensmittel, nutze den ÖPNV uvm. Auch gehöre ich nicht zu den sogenannten Klimaskeptikern. Beim aktuellen Bio-Zeitgeist geht es jedoch längst nicht mehr um sinnvollen Schutz natürlicher Ressourcen und den Erhalt des Ökosystems.
In einer Fundamentalkritik der modernen, fortschrittsorientierten Technologiegesellschaft konstruieren sich die Anhänger dieser Ersatzreligion eine kuschelige Gegenwelt mit klaren Feindbildern, die in sich schlüssig sein mag, aber nichts mit der Realität zutun hat. Das Spektrum des Irrationalen, das sich hier versammelt, reicht vom unreflektierten Bio-Konsumenten, der das diffuse Gefühl hat, mit seinen Konsumentscheidungen die Welt zu verändern, über den Elektrosensitiven bis zum Impfgegner, der hinter dem Gesundheitssystem eine großangelegte Verschwörung vermutet. Die Grenzen verlaufen fließend, allen gemein ist, dass sie Gefühl über Verstand und Glauben über Wissenschaft stellen.