Beinahe hätte ich es verpasst, doch Stereogum hat mich dankenswerterweise daran erinnert, dass eines meiner absoluten Lieblingsalben kürzlich sein 25. Jubiläum feierte. Wie auf jedem Smiths-Album geht es auch bei Meat is Murder um teen angst, diesen etwas grotesken Weltschmerz, den Heranwachsende gemeinhin empfinden und der so ziemlich die wichtigste Grundlage für substantielle Teile der Popkultur ist. Soziale Unsicherheit, Zurückweisung, Entfremdung, Abgrenzung und Identitätsfindung sind die klassischen Themen eines Smiths-Songs. In Perfektion wird diese Stimmung in dem absolut genialen Song There’s a light that never goes out eingefangen, der auf dem auch nicht üblen Album The Queen is Dead zu finden ist (Die berühmte Songzeile “And if a double-decker bus/crashes into us/to die by your side is such a heavenly way to die” spricht Bände).
Immer wieder erzählen Smiths-Fans von der profunden Wirkung, die der verstörende Titeltrack auf sie hatte. Lustigerweise ist Meat is Murder der einzige Song der Platte, den ich nie leiden konnte. So, nun aber genug getextet. Wenden wir uns der Musik zu!
1. The Headmaster Ritual
“Belligerent ghouls run Manchester schools/spineless swines, cemented minds” Nun ja, da stand wohl jemand nicht allzu sehr auf die Segnungen des Bildungssystems. Als Antischulhymne deutlich stilvoller als das totgenudelte Dings von Pink Floyd.
2. Rusholme Ruffians
“Scratch my name on your arm with a fountain pen / this means you really love me”. Ein gutes Beispiel für die Symbolik einer Teenagerexistenz, die in Smiths-Songs immer wieder vorkommt. Morrissey besingt eine Rummelplatzszenerie, wie sie wohl jeder schonmal erlebt hat. So einfach, so genial.
3. I want the one I can’t have
“If you ever need self-validation, just meet me in the alley by the railway station.” Wer hätte das nicht schonmal sagen wollen, sich aber nicht getraut? Das geniale an Morrisseys Texten ist genau das. Er bringt die geheimen, peinlichen Empfindungen und die ganze Unsicherheit, die sie hervorrufen auf den Punkt. Ein Song mit einem vielschichtigen Text. Aussichtslose Liebe, Anspielungen auf eine Randexistenz und Kriminalität vermischen sich zu etwas, was man wohl nur auf der emotionalen Ebene vollkommen erschließen kann.
4. What she said
“I smoke ’cause I’m hoping for an early death / and I need to cling to something”. Eine gewisse Morbidität gehört zur Jugend dazu, warum auch immer. Dylan hat in seinen frühen Jahren auch ständig vom Tod gesungen. Die gute Nachricht ist, dass man das meisten überlebt: “It took a tattooed boy from Birkenhead to really, really open her eyes”.
5. The joke isn’t funny anymore
“When you laugh about people who feel so very lonely / their only desire is to die“. Awwww! Wer jetzt noch nicht versteht, warum Morrissey auch “pope of mope” genannt wird, dem ist auch nicht mehr zu helfen.
6. How soon is now?
“I am human and I need to be loved / just like everybody else does”. Krasse Gitarre, Herr Marr! That said, kann man eigentlich nur hinzufügen, dass das Nichtgeliebtwerden ein ständiges Motiv in Songs von Morrissey ist. Ach, und, liebe Freunde von der Lyricsveröffentlicherfraktion, es heißt “son and heir” und nicht “sun and air”. Jesus!
7. Nowhere Fast
“I’d like to drop my trousers to the world / I am a man of means / of slender means”. Ein eher unscheinbarer Track, der trotzdem mein Favorit auf der Platte ist. Man achte im Video auf Johnny Marr, der ganz lässig weiter an seiner Fluppe zieht obwohl er offensichtlich ständig Rauch in die Augen bekommt. So klein und doch so cool!
8. Well I wonder
“Well I wonder / do you see me in your dreams?” Einer der wenigen Songs, der wirklich komplett ironiefrei daherkommt. Schöner verzweifeln.
9. Barbarism begins at home
Analog zum ersten Track geht’s hier um die Ungerechtigkeiten und Brutalität der Erwachsenen gegenüber den Heranwachsenden. Der Text spricht in seiner Schlichtheit für sich.
10. Meat is murder
Es soll Leute geben, die wegen des Songs Vegetarier geworden sind. Auch wenn ich den Pathos dieser Band normalerweise liebe, sorry, ich finde dieses Lied einfach lächerlich.